Der Senf zu: Memories of Felagund (3)
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Memories of Felagund (3) vom 10. Dec. 2008 aus "Geschichten aus Finis Terrae"

Von Janos Nibor (Lenwë Eledhwen), übertragen von Nose Mann, bebildert von Roko Johin

Kapitel 3 - Anja

Mein größter Feind, doch gleichzeitig auch die größte Hilfe bei meinen Forschungstouren ist Anja. Vielleicht wird sie nicht mehr leben, wenn die ersten, mutigen Entdecker in der Zukunft ihren Fuß auf diese Inselgruppe setzen. Ihre acht hässlich behaarten Beine werden, so hoffe ich, im Todeskrampf fest an ihren bulligen Körper gepresst, in einem ihrer Nester ruhen. Oder wo auch immer sie ihr Versteck hat, an das sie ihre vielen Opfer über die Jahrhunderte brachte. Ich hasse dieses Biest, ich verachte es zutiefst, es begleitet mich selbst in meinen Träumen und macht mir hier fast jeden Tag zur Hölle. Wenn es könnte, würde es mich bis auf den letzten Tropfen aussaugen! Da das Biest all das mit meiner ersten Frau gemeinsam hat, trägt es auch ihren Namen: Anja. Sicher kein feiner Zug, aber es hilft mir, immer den nötigen Abstand zu dieser unglaublich riesigen Spinne zu halten.

Es besteht kein Zweifel, dass sie es war, die sich damals die arme Moira geholt hat. Auch wenn ich es kaum glauben kann, sind doch seitdem schon 700 Jahre ins Elfenland gegangen. Dennoch, die klaffende Wunde auf ihrem Rücken scheint es zu beweisen, dort muss die Stelle gewesen sein, in der einst Amroths Speer stecken blieb, als er verzweifelt versuchte, seine Geliebte zu retten. Wie hat dieses Monster es geschafft, so lange zu überleben?

Doch, vermutlich ohne dass sie es weiss, hilft mir Anja bei meinen Streifzügen über Felagund. Ohne die riesigen Netze, welche sie über einige der Schluchten zwischen den Inseln gesponnen hat, wäre es mir nicht möglich gewesen, überhaupt auf eine der anderen Inseln zu gelangen. Fliegen zu können, so wie die Elfen es taten, ist mir nicht vergönnt, und auch mit dem Schwimmen ist es so gut wie vorbei, seit dem ich, fast erfroren und bewusstlos, in der Mitte Felagunds angespült wurde. Meine Arme umklammerten immer noch die alte Kajütentür der “Olysses“, als ich morgens in der Nähe des Wasserfalls erwachte.

Das ist auch die erste Erinnerung nach der Kollision, davor ist nur Dunkelheit, Wasser, Feuer, Schreie und Lärm, ohrenbetäubender Lärm. Vom Schiff und seiner Mannschaft fehlt bis heute jede Spur, doch an klaren Tagen kann ich manchmal so etwas wie ein Wrack im Osten sehen, aber vielleicht sind es auch nur Klippen. Als ich also zu mir kam, bemerkte ich, dass meine Hose geradezu getränkt mit Blut war. Ein riesiger, rostbrauner Fleck erstreckte sich über die gesamte rechte Seite. Ich muss nicht beschreiben, wie es ist, sein Bein fast in zwei Teile zerschnitten vorzufinden. Was immer mich bei der Explosion so zugerichtet hat, es war scharf und schnell gewesen. Die Wunde verheilte über die Jahre mehr schlecht als recht, und schmerzt auch heute noch zeitweise, als wenn sie jeden Moment wieder aufreissen wolle. Nun, sie ist es auch, die mich am Schwimmen hindert, nach wenigen Zügen sind die Schmerzen so groß, dass ein Weiterkommen nicht möglich ist. So sitze ich hier fest, und meine einzige Gesellschaft ist ausgerechnet Anja, jenes haarige Relikt aus längst vergangener Zeit.

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