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frischer senf
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::: 13. December 2008
:: Memories of Felagund (6) Von Janos Nibor (Lenwë Eledhwen), übertragen von Nose Mann, bebildert von Roko Johin Kapitel 6 – Der Kreuzweg 25. Januar 1907: Als Verfechter der Darwinistischen Evolutionstheorie hege ich starke Zweifel an der kirchlichen Schöpfungsgeschichte. Sollte sie dennoch der Wahrheit entsprechen, ist Noah damals ein grober Fehler unterlaufen, als er diese Kreatur auf die Arche ließ, und vor allem wieder hinunter. Die wenigen Sachen die ich über sie weiss, sind in Gebris Büchern zu finden. Dort wird sie „Pha“ genannt, das elfische Wort für Schwarz. Nur wenige Tage später versuchte Pha also erneut, nach Felagund durchzubrechen. Nau, seit der ersten Begegnung mehr als vorsichtig, wusste, dass es wenig Sinn hatte, sich zu verstecken. Das Wesen konnte den Ort, an dem es auftauchte, scheinbar frei wählen. Und es würde seinen Fehler, sich zu früh zu zeigen, sicher nicht ein zweites Mal machen. Nun würde es irgendwo einen Spalt öffnen, wo es genug Zeit hatte, den beschwerlichen Weg hindurch zu meistern, dann warten und blitzschnell zuschlagen, sobald sich die Gelegenheit ergab. Nicht selten fragte sich Nau, warum es sie verfolgte, warum es über neun Jahre versucht hatte, einen Weg zu ihr zu finden. Nur um sie zu töten? Das war absurd. Was hatte sie getan, um das Wesen so zu erzürnen? So stand sie am verschneiten Kreuzweg, an dem sich beide großen Brücken über die Schlucht vereinten, hielt Wache, lauschte, spähte in die eiskalte Nacht. Von wo es auch kam, es musste immer über freie Fläche, um sie zu erreichen, daher war hier der sicherste Platz. Sie konnte Pha spüren, noch bevor sie es sah. Ein leises Kratzen südlich von ihr, Atemgeräusche. Vielleicht aber auch nur der Wind? Sie war angespannt, fror und hatte Angst. Gerade als sie ihren Bogen wieder senken wollte, landete das Wesen plötzlich mit einem gewaltigen Satz nur knapp fünf Meter von ihr entfernt auf dem schneebedeckten Brückenboden. Es musste sich unterhalb der Brücke leise hangelnd bis fast zur Mitte vorgearbeitet haben. Behände wie ein Affe, groß wie ein Najo-Bär, und volkommen schwarz. Es hielt kurz inne, sah den gespannten Bogen in ihren Händen, und dann blickte es in ihr Gesicht. Sofort bohrten sich die glutroten Augen tief in die ihren. Für einen kurzen Moment sah sie Bilder, Fragmente aus den Erinnerungen der Bestie. Die Verfolgungsjagd, wie Nebu neben ihr zu Boden gerissen wurde, begleitet vom grausamen Geräusch brechender Knochen. Sie sah sich, um ihr Leben rennend, wie eine schwarze Hand nach ihr griff und dann – dann sah sie durch Phas Augen, den Moment nach ihrer gelungenen Flucht. Sah den verdrehten Körper ihrer geliebten Schwester am Boden liegen, doch sie bewegte sich, wand sich, versuchte kriechend zu entkommen. Hoffnungslos. Nebu hob den Kopf, sah dem Monster direkt in die Augen, dann stürzte es sich auf sie und vollendete sein Werk. Mehr sah Nau nicht, all das geschah in wenigen Sekunden. Doch eins wusste sie nun, Nebu war nicht tot gewesen, sie hatte noch gelebt. Es gab eine Chance, eine verschwindend geringe sicher nur, sie zu retten wenn… ja, wenn Nau nicht geflohen wäre, sie im Stich gelassen hätte… Fast zu spät riss sie sich los aus der Trance, erkannte was hier gerade geschah. Das Wesen, bereits bedrohlich nahe gekommen, versuchte sie einzuschüchtern, ihr den Mut zu rauben. Schon setzte es zum Sprung an, wenige Schritte vor ihr. Sie hatte den Bogen gesenkt, als die Bilderflut auf sie einströmte, nun riss sie ihn blitzschnell hoch, zielte und schoss, drei Pfeile hintereinander, so schnell dass man nicht einmal sah, wie sich ihr Arm zum Köcher bewegte um Nachschub zu holen. Behände warf sich Pha herum, war sichtlich überrascht, dass seine List nicht die erhoffte Wirkung gezeigt hatte. Der erste Pfeil durchbohrte die nackte Brust, dort wo das Herz sitzen sollte, blieb aber wie in einem Stück Holz stecken. Der zweite verfehlte sein Ziel ebenfalls nicht, und traf den Hals. Sogleich ergoss sich ein kleiner Schwall Blut, schwarzes Blut, in den weißen Schnee, wie Tinte auf ein Blatt Papier, und Nau erschrak. Der bullige Körper schleuderte nach hinten, verlor das Gleichgewicht. Kurz nachdem der dritte Pfeil, der eigentlich für den Kopf bestimmt war, seinen linken Arm durchbohrte, schlug der schwarze Körper auf dem eisigen Boden der Brücke auf. Sofort aber war Pha wieder auf den Beinen, verletzt doch wendig wie vorher, nahm es den einzigen Weg, der Schutz vor den Pfeilen bot, nach unten, in die Schlucht. Es sprang von der Brücke, ließ sich fallen und kam mit einen gewaltigen Schlag im Wasser auf, verschwand sogleich, einen schwarzen Blutschleier hinter sich her ziehend. Es blutete! Es war lebendig! Nau hatte immer geglaubt, das Wesen sei – tot. Ein Geschöpf des Bösen, „nur“ ein Dämon. Doch es war lebendig! Tote konnte man nicht töten, und sie hatten auch keine Seele, die man einfangen konnte, Lebende aber schon. Nun wusste sie, was zu tun war. Es blieb nur wenig Zeit, denn das Untier erholte sich schnell, würde sicher bald wieder angreifen. Ich gestehe, eigentlich wollte ich die Geschichte von Nau heute zu Ende bringen. Doch in Amroths Aufzeichnungen habe ich so viel darüber gelesen, dass ich keinen würdigen Schluss finden kann, ohne ein neues Blatt anzufangen. Also bitte ich um ein wenig Geduld, auch für mich selbst, denn so bleibt die Flasche Wein für heute noch verschont. Wie es Anja geht? Ich kann es wirklich nicht sagen, seit zwei Tagen habe ich nichts mehr von ihr gehört. Ich bin mir nicht sicher, ob das gut oder schlecht ist. Quelle: {quelle} | von Case am Nachmittag 0x Senf , 462x besichtigt | aus: Geschichten aus Finis Terrae | Permalink | Liebe Redaktion...
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