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frischer senf
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::: 11. December 2008
:: Memories of Felagund (4) Von Janos Nibor (Lenwë Eledhwen), übertragen von Nose Mann, bebildert von Roko Johin Kapitel 4 – Die Rettung von Nau 22. Januar 1907: Der Frühling in Felagund ist eine schnelle, überschwängliche Metamorphose von Grau zu Bunt. Er geht nach wenigen Tagen schon nahtlos in den fast ewigen Sommer über. Dieser gestaltet sich mild, über fast zehn Monate hin liegen dann die Inseln von Felagund ruhig und warm in den Weiten des Nordmeeres. Der Herbst macht wenig Federlesens - eine kurze, gelb-braun-rote Explosion färbt die Blätter der Bäume, die jene kurz darauf von sich werfen, um dem Winter Platz zu machen. Der währt meist nicht länger als einen Monat. Wo der Sommer sich fast vornehm zurück hält, versucht möglichst jedes Extrem zu vermeiden, schöpft der WInter aber aus dem Vollen in einer kurzen Periode aus Eis, Schnee und durchdringender Kälte. Die Tiere Felagunds überstehen diese harte Zeit wie fast überall auf der Welt, sie halten Winterschlaf. Die Elfen allerdings waren fasziniert von diesem kurzen Moment absoluter Leblosigkeit, Ruhe, Verwandlung. Sie genossen die vier bis sechs Wochen im Jahr ausgiebig, in denen eine dicke Schneedecke über den Inseln lag, feierten, tranken, liebten… Bis auf Amroth. Etwa fünf Jahre waren verstrichen nach Moiras tragischem Tod. Er, der auf Frauen die Wirkung hatte, wie eine offenliegende Goldader auf Horden von armen Schürfern, zog sich seitdem immer mehr zurück. Kontakt hielt er nur gelegentlich mit Claudius, selten auch mit Gebris. Oft saß er nachts an den Klippen, schlich über die kleine Brücke zum Quellsee oder verbrachte die Nacht unter der riesigen Platane am Nordostrand der Insel. Doch stets allein. Er sprang auf, und nur einen Augenblick später verformte sich die Rinde des Baumes, an dem er gerade noch gelehnt hatte, bog sich nach außen, als würde jemand von innen dagegen drücken. Dann, mit einem verzweifelten, tränenerstickten „Seri!“ verwandelte sich die Wölbung in eine Hand, einen Arm, der sich ihm entgegen streckte und darum flehte, ergriffen zu werden. Ohne nachzudenken, zu zögern, packte er die Hand, die immer noch aussah wie ein Stück Eichenrinde, aber zierlich, zitternd, zog fest, mit all seiner Kraft, allem was er aufbringen konnte, und mit einem letzten, schmerzerfülltem Schrei gab der Baum den Körper frei. Doch bevor sich das Loch im Stamm Augenblicke später schloss, sah er eine weitere Hand, schwarz wie Kohle, die die schlanke Fessel der jungen Frau gerade noch umklammert hielt und sich nun blitzschnell zurück zog. Mit einem dumpfen Schlag landete der geschundene Körper auf dem laubübersähten Boden. Eine Waldelfin, jung, schwarzhaarig wie die gerade hereinbrechende Nacht, die mit einer Armee aus Sternen von Westen her den Himmel eroberte. Die Elfin krümmte sich vor Schmerzen, wand sich halb weinend, halb schreiend vor Wut, Verzweiflung und Angst. Amroth stand daneben, regungslos und erschrocken über das, was gerade geschehen war. Der Baum, der eigentlich nun ein riesiges Loch hätte aufweisen müssen, war unversehrt, dieselbe, uralte, zerklüftete Rinde umschloss ihn. Wenig später hatte sich die Elfin beruhigt, und wo eben noch überirdische Kräfte aus ihr zu fließen schienen, machte sich nun Erschöpfung breit. Sie stemmte ihre Arme gegen den Boden, versuchte aufzustehen, schaffte es aber nur, den Kopf zu heben. Sie sah ihn an. Kurz nur. Wunderschön. Verzweifelt. Augen, so grün wie die Blätter der Masri-Lilie, wenn die Sonne ihre Morgenstrahlen hindurch schickte. Ihr Blick berührte genau den Teil seines Herzens, dessen Schlüssel Moira vor unendlich scheinenden fünf Jahren mit sich in den Tod genommen hatte. Dann verließ die letzte Kraft die Elfin, ihre Arme gaben nach, als ob sie die gesamte Last der Welt nieder drücken würde. Sie schlief, oder war bewusstlos, aber am Leben. Zusammengekauert wie ein Embryo im Mutterleib lag sie auf dem weichen Laub, fern dieser Welt, aller Welten. Amroth, langsam aus seiner Starre erwacht, nahm eines der beiden Felle und bedeckte sie damit, so gut es ging. Nie hätte er es gewagt, dieses wunderschöne Wesen zu berühren, gar in sein Haus zu tragen. Das Holz aus der Umgebung reichte aus, um seine alte Feuerstelle wieder zu entfachen, die er ab und zu benutze um so wenigstens ein wenig Wärme zu spenden. Er setzte sich neben sie auf einen abgerundeten Felsen, schürte die Flammen gelegentlich und wachte über sie, als könnte der Baum, der sie gerade ausgespuckt hatte, sie auch jeden Moment wieder verschlingen. Als ihn der Schlaf übermannte, wurde es am Horizont bereits wieder hell. Ein dünner, blauer Streifen kündigte den neuen Spätherbsttag an. Er erwachte wenige Stunden später, und merkte sofort, dass auch sie nicht mehr schlief. Ihn blickten zwei wunderschöne, funkelnde, hellgrüne Augen an. Noch vorsichtig, dann immer mehr, begann ein kleines Lächeln sich in ihrem Gesicht breit zu machen, und mit einer Stimme, die immer noch nicht ganz aus dieser Welt zu kommen schien, sagte sie: “Uage Nau”, was wohl so viel heißt wie “Man nennt mich Nau”. Hier schließe ich für heute meine Aufzeichnungen. Anja zeigte wenig Interesse an meiner Arbeit an diesen Abend, als ob sie wüsste dass sie dieses Mal nicht in der Geschichte vorkommt. Ich bin gespannt, wie es morgen sein wird, wenn ich den zweiten Teil der Geschichte um Amroth und Nau zu Papier bringe. Quelle: {quelle} | von Case am Nachmittag 0x Senf , 504x besichtigt | aus: Geschichten aus Finis Terrae | Permalink | Liebe Redaktion...
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