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frischer senf
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::: 23. December 2008
:: Memories of Felagund (12) Von Janos Nibor (Lenwë Eledhwen), übertragen von Nose Mann, bebildert von Roko Johin Kapitel 12 – Schaumama 30. Januar 1907: Verdammtes Biest! Gott, ich könnte sie umbringen dafür! Zugegeben, wenn ich das wirklich könnte, hätt’ ich es schon längst getan. Mit meinen eigenen Händen hätt ich sie erw… Ganz ruhig Janos, eins nach dem anderen! Hier auf Felagund bricht gerade der recht kurze Frühling an. Auf diese wenigen Tage im Jahr freue ich mich ganz besonders, denn nur jetzt wachsen die Eisbeeren. Natürlich nicht die Tiere, und eigentlich heißen sie auch anders. Ich habe den violetten, kleinen Früchten diesen Namen gegeben, weil sie erst richtig schmecken, wenn sie einen verspäteten Nachtfrost überstanden haben. So verliess ich heut schon in aller Früh meine Hütte, bewaffnet mit einem Bastkorb, den ich mir von Gebris geliehen hatte und dem Nautilus, um Eisbeeren zu jagen. Sehr erfolgreich, muss ich schon zugeben. Gegen Mittag traf ich hier unten wieder ein und gefror selbst fast vor Schreck. Die Hüttentür stand offen. Drinnen fand ich ein heilloses Chaos vor, Bücher, Zeichnungen, sorgsam sortierte Unterlagen, alles über den Boden verstreut. Anja war hier gewesen, keine Frage. Ihr Gestank haftete an allem, was sie berührt hatte. Auch an diesem Buch. Dann sah ich die Weinkiste, aus ihrem Versteck unter dem Schrank hervor gezerrt. Auch darin herrschte Durcheinander, als ob sie etwas gesucht hätte. Doch es fehlte nichts, weder der Elfenwein, noch das kleine Kästchen, welches immer noch in Wachsleder eingeschlagen war. Erleichtert durchsuchte ich den Rest der Hütte, alles war noch da, zwar vieles davon nicht mehr an seinem Platz, doch nichts verloren. Inzwischen habe ich mein Zuhause wieder hergerichtet, kann nun also mit meinen Aufzeichnungen fortfahren. Dennoch frage ich mich, was um Himmelswillen sie gesucht haben mag. Claudius hatte schon öfter Kontakt mit ihnen gehabt, denn scheinbar fehlte dem dortigen Dorf ein guter Hufschmied. So nahmen sie alle paar Monate die gefährliche Überfahrt nach Felagund auf sich, beladen mit acht bis zehn Pferden, um diese neu von ihm beschlagen zu lassen. Man kann sich vorstellen, wie der südliche Strand nach zwei Tagen Huftierbelagerung ausgesehen haben mag. Claudius ließ sich darüber jedes Mal wutentbrannt und seitenweise in seinem Tagebuch aus. Er beschrieb es so detailiert, dass mir dabei unweigerlich immer der leckere Quarkkuchen meiner Mutter mit den vielen Schokostückchen oben drauf an meinem geistigen Auge vorbei zog. Wie dem auch sei, auf das Gebiet der Schaumama hatte er noch nie einen Fuß gesetzt, bis zu diesem Tage. Die Überfahrt war ruhig, nur die kleine Meerenge kurz vor der Anlegestelle machte ihnen kurz Probleme. Doch Amroth war ein ausgezeichneter Segler und so standen sie schon am frühen Morgen auf dem Marktplatz des Dorfes. Mutterseelenallein und scheinbar verlassen lag das Dorf im Tal, dahinter streckte sich schier endlos der Berg in den Himmel. Ihr Ziel, so nah. Auch wenn das Dorf wie ausgestorben wirkte, spürten sie die verstohlenen Blicke hinter den weißen, mit übertrieben kitschigen Motiven bestickten Gardinen. Wenig später schon erschien ein kleiner, fettleibiger und verschlafen wirkender Mann, donnerte ihnen ein kräftiges „Woas wolltsn hia, Spitzoahn, ha?!“ entgegen. So viel zur Gastlichkeit. Aber vielleicht war es auch die falsche Tageszeit, um diese auf die Probe zu stellen. Doch Claudius wusste, sie brauchten die Erlaubnis der Dörfler, um deren Heiligen Berg besteigen zu dürfen. Noch bevor er das Wort erheben konnte, schwang sich ein riesiger, rot gefiederter Vogel vom Westhang des Berges auf, stieg ein paar Meter höher und hielt dann plötzlich Kurs auf die kleine Menschenmenge, die sich mittlerweile auf dem Platz versammelt hatte. Wenige Flügelschläge genügten und er hatte das Dorf erreicht. Staunend, wie fest gewachsen, standen Claudius und Amroth da, während um sie herum alles die Flucht ergriff. Der kleine dicke Mann rief ihnen noch zu: „Schaut’s dass weiterkimmts, soanst saad ia sei Brotzait!“. Claudius und Amroth sahen sich verständnislos an, aber auch ohne zu wissen, was der Schaumama gesagt hatte, war ihnen klar, dass sie die Beine in die Hand nehmen sollten, um nicht als Vogelfutter zu enden. So retteten sie sich mit einem beherzten Sprung in eine offene, kleine Scheune. Das Biest steckte sogleich seinen riesigen Kopf mit dem kurzen, aber sehr kräftig wirkenden Schnabel hinein, schrie mehrmals ein ohrenbetäubendes „Graa“ vor Zorn, gab dann aber auf und trat den Heimweg an. Es schien genau dort sich ein Nest gebaut zu haben, wo die beiden Elfen das Sternensilber suchen wollten, am Berg Inik. So einfach wie der Schmied gehofft hatte, würde es doch nicht werden. Aber zumindest kam ihm eine ausgezeichnete Idee, wie ihnen diese rundlichen, morgenmuffligen Dörfler den Weg dorthin gewähren würden. Eisbeeren! Selbst jetzt noch ein Genuss, auch wenn sie mittlerweile in der Tageshitze geschmolzen sind. Mit Sicherheit aber wage ich es morgen nicht, wegen dieser Köstlichkeit mein Haus der hinterhältigen Spinne zu überlassen. Egal was sie suchte, sie fand es nicht. Und so wird sie wiederkommen. Quelle: {quelle} | von Case frühabends 0x Senf , 465x besichtigt | aus: Geschichten aus Finis Terrae | Permalink | Liebe Redaktion...
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