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::: 07. May 2010

 :: Die enteignete Welt 

Bei der Änderung seiner Nutzungsbedingungen für Second Life anlässlich der Einführung der Kontrolle von Viewern externer Entwickler [wir berichteten] hat Linden Lab noch mehr geändert: Werbeversprechen wurden gebrochen, Residents enteignet und Besitzrechte an virtuellem Land und Objekten annulliert. Das meinen jedenfalls die Betreiber einer Sammelklage gegen Linden Lab und dessen Gründer Philip Rosedale. 

imageDie Klage greift einige Jahre zurück in die Vergangenheit: Linden Lab habe damals damit geworben, dass das virtuelle Land sowie selbst erzeugte und erworbene Objekte in das Eigentum der Anwender übergehen: »Second Life is a 3-D virtual world entirely built and owned by its residents.« (Second Life ist eine virtuelle 3D-Welt, die in ihrer Gesamtheit von ihren Bewohnern erbaut wurde und ihnen gehört). Zitiert wird auch LL-Gründer Philip Rosedale: »What you have in Second Life is real and it’s yours. It doesn’t belong to us. We have no claim to it.« (Was Sie in Second Life haben, ist real und gehört Ihnen, nicht uns. Wir haben keinen Anspruch darauf.

Linden Lab, so die Klageschrift, habe versucht, Second Life von Multiplayer-Rollenspielen wie World of Warcraft oder Everquest u.a. durch das Versprechen eines Besitzes an erworbenen Gütern zu unterscheiden. Auch das geistige Eigentum an Objekten sollte den Anwendern gehören. Wenn man also ein virtuelles Haus kaufte oder ein Objekt baute, sollte es dem Anwender ebenso wie ein reales gehören.  Diese Versprechen zahlten sich für Linden Lab aus: Millionen an höchst realem Geld wurden in Second Life investiert.

Später, so die Klageschrift weiter, habe Linden Lab die beworbenen und zugesagten Besitzrechte nach und nach wieder zurückgezogen. Die Werbung mit dem Eigentum der Residents an der 3D-Welt wurde von Linden Lab in den Jahren bis ca. 2008 verwendet - inzwischen taucht sie auf der offiziellen Website nicht mehr auf. Auch die FAQs änderten sich: so heißt es beispielsweise nicht mehr »Why would I want to own land?«, sondern »Why would I want to have land?«.

Linden Lab habe mit Hilfe dieses falschen Eigentums-Versprechens zwischen 50 Milionen und 100 Millionen Dollar allein durch den Verkauf von immer wieder neu erzeugten virtuellen Land verdient. Die Second Life-User wurden allerdings von Linden Lab nie über den Wechsel in der Eigentumspolitik informiert - geschweige denn für den Verlust ihrer Eigentumsrechte entschädigt. Schließlich wurden auch die Nutzungsbedingungen geändert, nach denen Land und Objekte den Eigentümern nicht mehr gehören, die sie erzeugt oder bezahlt haben, heißt es weiter.  Die Anwender hatten keine andere Wahl, als die neuen Nutzungsbedingungen zu akzeptieren, ansonsten hätten sie überhaupt nicht mehr auf ihr Eigentum zugreifen können.

Die Sammelklage wurde vor dem Bezirksgericht von Pennsylvania (Philadelphia) vorgebracht.  [via Consumer Affairs, The Hollywood Reporter].

Nachgedanke: schon vor drei Jahren haben Beobachter vor einer Entwertung des virtuellen Landbesitzes gewarnt. Damals gab Linden Lab bekannt, zukünftig nicht mehr durch Landverkauf Geld verdienen zu wollen, sondern durch die Freigabe der Software in die OpenSource-Gemeinde. So erklärte Mitch Kapor, der Vorsitzende des Linden-Boards, während des Weltwirtschafts-Forums 2007 in Davos: »There is a clearly stated intent to let people put up their own servers, the only way to scale, to have one million servers.« (Wir haben die Absicht, die Leute ihre eigenen Server aufstellen zu lassen. Das ist der einzige Weg um zu wachsen - um eine Million Server zu haben.). Was aus diesen Ankündigungen wurde, ist bekannt: Linden Lab gab nur den Client-Code frei, nicht den des Servers. Second Life mauert sich ein - die damaligen Pläne eines Wachstums nicht mehr durch Landverkauf, sondern durch Skalierung sind erledigt. Die Entwertung des virtuellen Landbesitzes und die Enteignung der User findet trotzdem statt. 

Quelle: {quelle}  |  von majo unwesentlich später  3x Senf , 1809x besichtigt |   aus: Neue Welten   |   Permalink  | Liebe Redaktion...

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